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Perfekte Tarnung

Hinter der schlichten, konservativen Linie des jüngsten Maserati verbirgt sich ein leistungsstarker Sprinter.

"Schizophren muten auf den ersten Blick die Leistungsdaten des neuen Vierventil-Maserati 2.24V an. Respektable 296 Newtonmeter Drehmoment produziert der extrem kurzhubige Zwei-Liter-Motor - bei exorbitant hohen 5000 Touren. Nicht weniger als 245 PS holt der Doppelturbo-V-Sechszylinder aus seinen 1996 Kubikzentimetern - bei auch nicht mehr jugendfreien 6200 Umdrehungen pro Minute.

Während alle anderen Konstrukteure heutzutage die Vierventiltechnik zum Erlangen von reichlich Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen propagieren, scheint der eigenwillige Maserati-Chef Alejandro de Tomaso genau am Gegenteil interessiert zu sein. Dabei erreichen die Dreiventiler aus dem bisherigen Maserati-Programm ihr maximales Drehmoment von 253 bis 385 Nm bereits bei 3000 bis 3600 Touren. Wozu diese plötzliche Neuorientierung? Die Sache macht Sinn. Der wird erst bei einer Probefahrt durch Modenas dichten Strassenverkehr und über die einsamen Landstrassen in die Berge von Abetone klar. Im Bereich unter 3000 Touren fühlt sich der Vierventiler zunächst wie ein Fiat Tipo mit sagen wir 90 PS an, aber nicht wie ein 1300 Kilo leichter Maserati mit 245 PS. Im dichten Stop-and-Go-Betrieb oder bei nasser Fahrbahn macht sich das überaus angenehm bemerkbar.

Befiehlt der Gasfuß jedoch forcierten Vortrieb, geht ab 3000/min eine kontinuierliche Leistungsexplosion los, die nahtlos bis zur Drehzahlgrenze anhält. Der Doppelturbo-Vierventiler zieht dann derart vehement rauf, dass man beim Überholen verdammt fix sein muss, um nicht bei 6250 Touren vom Drehzahlbegrenzer unsanft erschreckt zu werden.

Ob die Werksangaben von 5,9 Sekunden für den Sprint auf 100 sowie 26,1 für den stehenden Kilometer zutreffen konnten wir während der dreistündigen Probefahrt nicht überprüfen. Jedenfalls besteht kein Zweifel daran, daß der neue Vierventil-Biturbo rasant beschleunigen kann und sich auch seine Elastizitätswerte gewaschen haben. Zwischen Modena und Abetone kann man im Maserati 2.24V jedenfalls problemlos mit den 328ern der Ferrari-Testfahrer mithalten. Und das mit einem viersitzigen Coupé, dem man eine derartige Potenz in keiner Weise ansieht.

Starker Motor, weiches Fahrwerk

Daneben gefällt das niedrige Geräuschniveau des Vierventilers. Oberhalb von 3500 Touren weicht das seidenweiche Summen einem dumpfen, sehr angenehmen Baß. Wirklich zornig hört sich der Kraftbolze erst um die 6000/min an, und das macht durchaus Laune.

Man ist dem Vierventiler dankbar, dass er nicht wie seine Dreiventil-Kollegen schon bei niedrigen Drehzahlen wie eine Tretmine explodiert, sondern erst beim forcierten Betätigen des Gaspedals mit Gewalt loslegt. Dies auch im Hinblick auf das Fahrwerk. das sich deutlich weicher gibt, als man es von derart potenten Autos gewohnt ist.

Die vor einem Jahr mit der großen 2,8-Liter-Limousine Maserati 430 eingeführte Vorderachse sorgt jedenfalls für eine tadellose Richtungsstabilität. Unverständlich bleibt aber, warum Maserati die Hinterachse nicht mit einem Querstabilisator bestückt, um die kräftige Seitenneigung in schnellen Kurven zu bändigen. Statt dessen bietet man nun ein koni-Fahrwerk an, dessen Dämpfer sich über einen Schalter auf der Mittelkonsole in vier Härtegraden regulieren lassen. Einer der von uns gefahrenen 2.24V war mit diesem System ausgestattet und konnte in den beiden härtesten Stufen mit gemilderten Lastwechselreaktionen überzeugen.

Maserati sollte dieses System in die Serienausstattung übernehmen, wo der 224V ansonsten mit einer prächtigen Ledertapezierung und edlen Holzvertäfelung im Interieur, mit Klimaanlage sowie elektrisch verstellbaren Sitzen, Seitenspiegeln und Fensterhebern gefällt. Der Listenpreis in Italien beträgt rund 76000,- Mark, womit der Vierventiler im Vergleich mit seinen Rivalen BMW M3, Mercedes 2.5/16 und Porsche 944 S2 ziemlich gut aussieht.

Über die Exportversion des Vierventilers lässt sich zur Zeit nur sagen, daß sie wie die anderen Biturbos für die Auslandsmärkte einen Hubraum von 2,8 Litern sowie Katalysator haben wird.

Absatzschwierigkeiten im Ausland

Maserati produziert vor allem für Italien. Im Rest der Welt leidet die Prestigemarke noch unter dem schlechten Ruf der frühen Vergaser-Biturbos. In Deutschland brachte Maserati 1988 das Kunststück zuwege, kaum zwanzig Autos zu verkaufen, wogegen in einem Land wie Portugal 98 Stück ihre Liebhaber fanden.

Technisch ist die Biturbo-Reihe mittlerweile ausgereift, auch die Verarbeitungsqualität überzeugt. Maseratis Schwäche liegt noch immer im Marketing seiner Edelautos jenseits der Alpen. Unter dem Regime des Autokraten Alejandro de Tomaso, der bei Maserati wie ein Renaissance-Fürst das Kommando führt, wird sich das auch kaum ändern.

Die Voraussetzung für weitere außergewöhnliche Automobile aus Modena ist also auch in Zukunft gegeben. Kein schlechter Trost"

Hans-Karl Lange                                   

Quelle: Auto Zeitung

 

 
 

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